Ich möchte nicht stillen. Dies entschied meine Gastautorin schon vor der Geburt ihres Sohnes. Und da diese Entscheidung nicht von Jedermann verstanden wird, habe ich ihr die Möglichkeit gegeben, von den Beweggründen dieser Entscheidung zu erzählen. Ich bitte um Toleranz und Akzeptanz ihr gegenüber. Denn offen dazu zu stehen, dass man nicht stillen wollte, ist viel mutiger als nach Ausreden zu suchen. Ich danke meiner Gastautorin sehr!

 


G A S T B E I T R A G 

 

Ich weiß garnicht wo ich anfangen soll, weil ich soooo viele Gedanken im Kopf habe die ich euch allen mitteilen möchte. Ich finde es toll, dass ich darüber berichten darf nicht gestillt zu haben.

Die Entscheidung nicht zu stillen fiel schon Jahre bevor ich schwanger wurde

Ich habe mich schon Jahre vor einer Schwangerschaft dagegen entschieden und alle sagten mir, dass ich erst einmal abwarten solle bis ich wirklich schwanger bin und ich würde meine Meinung dann schon ändern und wissen was das Beste für mein Kind sei…

Es war der 14.06.2015 als ich meinen positiven Test in der Hand hielt. Bis dahin hatte ich mir wenig Gedanken über das Thema Stillen gemacht und dachte, dass ich ja noch einige Monate Zeit hätte….

Ich selbst wurde auch nicht gestillt

Ich wurde nicht gestillt und ich kannte auch wenige Menschen im Umkreis, die Ihr Kind stillten.
Ich versuche mich mit dem Stillen auseinander zu setzen. In der 14. Woche im Urlaub sah ich eine Frau neben mir die ihr Kind stillte. Nur mit einem leichten Tuch bedeckt und ich versuchte mich in ihre Situation hineinzuversetzen.
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie es gut fand geschweige denn, dass es das Schönste zwischen Mutter und Kind sein sollte. Ich schaffte es nicht wenigstens einen guten Gedanken mit dem Thema stillen zu verbinden.

Ich entschied für mich, dass ich nicht stillen wollte.

Horrorgeschichten über das Stillen machten mir Angst

Ich habe viele Horrorgeschichten gehört von Brustschmerzen bis zu Entzündungen bis hin zu Zuwenig Milch.
Ich wollte auch meinen Mann mit einbeziehen.
Alle sagten mir:“Wie??? Du stillst nicht? Probier es doch erstmal…es ist das Beste für das Kind und eure Bindung!“
Mein Mann, meine Eltern und meine Hebamme standen hinter mir!

Meine Hebamme sagte, das ich es mir offen halte solle bis das Baby da ist, da manche sich dann nochmal umentscheiden, aber ich es nicht erzwingen soll, denn wenn ich mich unwohl fühle es nichts bringen würde und es dann nicht klappt.

Ständig wurde mir ein schlechtes Gewissen gemacht

Bei der Besprechung im Krankenhaus dann die Frage, ob ich stillen möchte. „Nein, ich möchte nicht stillen!“ „Warum?? Wir sind ein stillfreundliches Krankenhaus!“

Nach kurzer Diskussion wurde es dann in meinen Unterlagen vermerkt und dick mit gelbem Textmarker markiert, dass ich NICHT stillen möchte.

Meine Kollegin meinte, dass es unverantwortlich sei nicht zu stillen. Das Kind bekommt damit ja die besten Abwehrstoffe mit und es festigt die Bindung. Aber mal im Ernst: Was tun denn die Frauen, die nicht lang oder gar nicht stillen KÖNNEN. Haben Leute die nicht stillen keine Bindung zu Ihrem Kind?!

Egal was man als Mama macht, es ist falsch… Mamas die ihr Kind 10 Monate lang stillen, stillen zu lang und die nie gestillt haben machen es auch nicht richtig?! Ich denke, dass jede Mutter weiß, was das Beste für ihr Kind ist und niemand das Recht hat über einen Menschen und seinen Körper zu bestimmen. Irgendwann habe ich nur noch gesagt, dass es nicht geklappt hat mit dem stillen, weil ich einfach keine Lust mehr hatte mich rechtfertigen zu müssen.

Mein Gewissen plagte mich als mein Sohn Koliken bekam

Als mein Kleiner im Februar zur Welt kam war ich froh, dass mein Mann mich zwischendurch mit dem Flasche geben unterstützen könnte. Er brauchte täglich 6-8 Flaschen die jeden Abend gespült und jeden 3. Tag desinfiziert wurden. Die Milch, die er bekam haben wir aus dem Krankenhaus übernommen und er vertrug sie nicht. Mit den Flaschen, die wir gekauft hatten kam er nicht klar. Er hatte Bauchschmerzen und ich fühlte mich so schlecht, weil ich mir einredete, dass er bestimmt Bauchschmerzen von der Milch bekam und alles nur weil ich es nicht versucht hatte. Ich wollte schließlich nicht, dass es ihm schlecht geht, nur weil ich den für mich einfacheren Weg wählte.

Am 3. Tag Zuhause hatten wir eine Flasche gefunden, die er annahm und aus der er vernünftig trinken konnte und auch das Milchpulver wurde gewechselt, aber die Bauchschmerzen blieben bis zur 9. Woche.

Mein kleiner ist weder dick (8kg bei 73cm) noch war er bisher oft krank. Ich denke, dass es halt von Kind zu Kind verschieden ist und nicht drauf ankommt, ob es Muttermilch oder Milchpulver bekommt.

Warum wollte ich nicht stillen?

Ich wollte nicht, dass dieses kleine Wesen komplett von mir abhängig ist. Ich hatte Angst davor, dass es nicht klappt und ich es nicht schaffe und es aufs Kind projiziere. Ich habe mich außerdem mit dem Gedanken nicht wohlgefühlt in der Öffentlichkeit zu stillen und auch mich komplett vom Kind abhängig zu machen. Für manche mag dies sehr egoistisch klingen, aber ich wollte mich nicht abhängig machen und mich diesem Stress aussetzen, falls es nicht sofort klappt.

Manchmal finde ich es schade, dass ich es nicht wenigstens mal versucht habe, aber gerade in den ersten Wochen war ich froh, dass mein Mann mal übernehmen konnte, da man ja auch viel mit sich selbst und den Hormonen zu kämpfen hat.

Ich weiß nicht, ob ich es nicht beim nächsten Kind dich versuchen würde…. zumindest die ersten Wochen. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich ein 2. Kind möchte. Das entscheiden wir dann im nächsten Jahr 🙂

 


Hier gibt es die anderen Beiträge meiner einwöchigen Stillreihe:

Ann & Ronja

Franzi & Amelie

Kathy & Lia

Nicole & Taio

Nicole & Sebastian (nach 4 Wochen abgestillt!)

Sarah & Enissa

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nicht stillen

 

Bildquelle: pixabay.com

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