Warum Geburtseinleitungen oft in einem (Not-) Kaiserschnitt enden und warum werdende Mütter immer auf ihr Gefühl hören sollten. Zwei Geburtsberichte, zwei völlig verschiedene Erfahrungen und dazwischen eine junge Frau, die nach der traumatischen Geburt ihres ersten Sohnes die zweite Geburt völlig anders erleben wollte.

 

G A S T B E R I C H T

von Nadine (@ bibabutzemom )


 

Auf die erste Geburt war ich perfekt vorbereitet

Oh was waren wir aufgeregt. Was war ICH aufgeregt. Die Schwangerschaft verlief unkompliziert und bis auf einen Nierenstau in den letzten Schwangerschaftswochen ging es mir prächtig. Ich war voller Vorfreude und fieberte dem Entbindungstermin entgegen. Die Kliniktasche stand gepackt neben der Haustür und ich hatte sogar einen Plan ausgedruckt in dem ich mitteilte welche Schmerzmittel ich zulassen wollte und welche nicht. Ich träumte von einer Wassergeburt, schnell, unkompliziert und voller Glück und Freudentränen. Gemeinsam mit meinen Partner und meiner Mutter. Ich hatte viel gelesen und fühlte mich perfekt vorbereitet. Doch der besagte Nierenstau machte mir einen Strich durch die Rechnung.

Dann verlief alles anders als geplant

Eine Nacht vor dem errechneten Entbindungstermin schmerzte meine linke Niere so stark, dass wir ins Krankenhaus fuhren. Nach ausführlicher Untersuchung schlug man mir eine Einleitung aus medizinischen Gründen vor. Meine Niere könnte sonst irreparable Schäden davontragen. Ich willigte ein und die Ärzte versuchten zwei Tage mit Gel die Geburt einzuleiten. Am Nachmittag des zweiten Tages setzten die Wehen ein. Schon die ersten Wehen taten höllisch weh. Das ist wohl typisch für Einleitungswehen, wusste ich nur leider nicht.

Ich befand mich in einem Rausch aus Schmerzmitteln

Ich war voller Hoffnung bald meinen Sohn im Arm halten zu können. Doch die Schmerzen übermannten mich. Von homöopathischen Mittelchen, über Spritzen mit Schmerzmitteln, Tabletten, schmerzlindernde Infusionen und einem Schmerzmittel was mich gänzlich in eine Art Rausch versetzte, war alles dabei. Nur leider keine Hebamme die sich meiner annahm. In dieser Nacht sollten außer meinem Sohn noch fünf weitere Kinder geboren werden. Die Station war vollkommen unterbesetzt und ich fühlte mich allein gelassen. Mein Partner und meine Mutter unterstützten mich so gut sie konnten. Nach gut neun Stunden in den Wehen begann ich zu verzweifeln. So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Die Fruchtblase war längst geplatzt und die höllischen Schmerzen bewirkten kaum etwas. Jetzt endlich kam ein Arzt zu mir und sie legten mir eine PDA, da ich derartig erschöpft war und die Schmerzmittel mich zusätzlich müde machten. So sehr, dass ich in den Wehenpausen einschlief. Die PDA verschaffte mir Linderung. Ich schlief. Ich glaube es waren zwei oder drei Stunden. Als ich wach wurde spritzen sie die PDA noch einmal nach. Die Hebamme die mich untersuchte sagte mir, dass es nun bald soweit sei. Ich schöpfte Hoffnung.

Am Ende folgte dann der Not-Kaiserschnitt

Ich nahm all meine Kraft zusammen. Ich wollte meinen Sohn endlich kennen lernen. Doch dann, während der Presswehen, während die Ärztin von oben mit schob wurde das CTG schlecht. Die Herztöne fielen rapide ab. Ich verstand die Welt nicht mehr. Was bedeutet das? Plötzlich war der Raum voller neuer Gesichter. Ich wurde auf eine Trage gehoben. Notsectio. Weder mein Freund noch meine Mutter dürften mich begleiten. Ich war allein. Hilflos. Ich
hatte Angst. Ich weinte. Ein Arzt strich meinen Bauch noch mit Jod ein bevor die Vollnarkose mir jegliche Erinnerung an die Geburt meines Sohnes nehmen sollte. Die Bitte, auf meinen Sohn aufzupassen brachte ich noch über die Lippen.

Ich habe die ersten Lebensminuten meines Sohnes verpasst

Danach weiß ich nichts mehr. Ich verpasste den ersten Schrei meines Sohnes. Kann mich nicht an den süßen Duft nach der Geburt erinnern und weiß nicht wie er aussah, als er das Licht der Welt erblickte. Ich verbrachte die ersten Minuten seines Lebens im OP unter Vollnarkose. Natürlich war er bei seinem Vater in guten Händen und verbrachte diese Minuten mit kuscheln und viel Liebe. Die Tage nach der Geburt im Krankenhaus sind auch verschwommen. Selbstverständlich bin ich überglücklich, dass es meinem Sohn gut geht. Und trotzdem bin ich bis heute wehmütig, dass ich diesen wundervollen Moment der Geburt nicht erleben konnte.

 


Auch bei der Geburt meines zweiten Sohnes rieten mir die Ärzte zu einer Einleitung

Auch dieses mal war ich nervös, sehr nervös. Ich wollte unter allen Umständen einen erneuten Kaiserschnitt vermeiden. Ich besprach alles mit meiner Hebamme. Seit der ersten Geburt war mein Vertrauen in die Schulmedizin
erschüttert und ich vertraute dieses mal auf die Erfahrung meiner Hebamme. Während Ärzte mir nahelegten einen geplanten Kaiserschnitt machen zu lassen, da ich vor knapp zwei Jahren eine Notsectio hatte und dies das Risiko einer Uterusruptur stark erhöhte, war meine Hebamme dagegen. Sie bestärkte mich in meinem Vorhaben eine spontane Entbindung wenigstens zu versuchen. Ich verließ mich auf mein Gefühl. Ich konnte nicht ahnen, dass Nummer 2 es bis zum letzten Tag spannend machen würde. Als wir über den Entbindungstermin hinaus waren, rieten mir die Ärzte im Krankenhaus zur Einleitung.

In Erinnerung an die letzte Einleitung entschied ich mich dagegen

Ich wollte dieses Mal unbedingt spontan entbinden, ohne Einleitung, ohne Schmerzmittel und vor allem ohne Drama und nach Möglichkeit ambulant. Voraussetzung dafür war selbstverständlich, dass mein Baby und ich gesund waren und die Parameter in Ordnung waren. Der Kampf darum begann jeden Tag auf´s Neue, wenn ich zur Kontrolle in den Kreißsaal musste. Die Ärzte waren täglich darauf aus die Geburt einzuleiten. Doch ich blieb standhaft.

Zwölf Tage nach ET ging plötzlich alles ganz schnell

Abends bei ET+12 setzten endlich die Wehen ein. Ich rief meine Hebamme an und sie sagte, ich solle sofort ins Krankenhaus fahren. Und das zügig. Also kam meine Mutter und wir beide fuhren los ins Krankenhaus. Mein Freund blieb bei unserem Sohn, der von der ganzen Aufregung nichts mitbekam. Er schlief tief und fest. Als wir am Krankenhaus ankamen waren die Schmerzen schon so stark, dass ich nicht mehr gehen konnte. Kaum im Wehenzimmer angekommen war der MuMu bereits vollständig und die Fruchtblase platzte.

In den Kreißsaal kamen wir nicht mehr

Die Presswehen spürte ich kaum. Doch die Wehen waren so heftig, dass auch dieses Mal das CTG schlecht wurde und die Ärztin mir Wehenhemmer verabreichte um meinem Baby eine kleine Erholungspause zu gönnen. Er erholte sich. Und die Wehen kamen schnell wieder. Ab Ankunft im Krankenhaus bis zu dem Moment als ich mein Baby das erste Mal im Arm hielt verging keine halbe Stunde. Ich hatte es geschafft. Ich war so stolz auf mich und mein Baby. Gemeinsam hatten wir es geschafft. Er lag direkt auf meinem Bauch und ich genoss jede Sekunde. Es ging mir super. Keine Erschöpfung, keine Schmerzen.

Warum Frauen auf ihr Gefühl hören sollten

Auch die Narbe des vorhergegangenen Kaiserschnitts hatte die schnelle Geburt bestens überstanden. Am nächsten Morgen kamen mein Partner und mein Sohn um uns abzuholen. Die Geburt war genauso wie wir sie uns vorgestellt und gewünscht haben. Ich habe etwas wichtiges gelernt, was einem als Erstgebärende häufig fehlt. Ich habe gelernt auf meinen Körper und mich selbst zu vertrauen. Ich habe beides erlebt. Geburtseinleitung mit Stundenlangen Wehen als Folge, Schmerzmitteln und einem Not-Kaiserschnitt. Und eine schnelle Geburt ohne Einleitung und
ohne jegliche Schmerzmittel. Beide Wege der Entbindung haben mir -uns- zwei gesunde und glückliche Kinder geschenkt. Und das ist schließlich das was wirklich zählt.

 

Vielen Dank für deine Geschichte Nadine!


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