Hach ja, in meinem Kopf hatte ich mir alles so „schön“ ausgemalt. Nicht die Geburt an sich, klar, da hatte ich auch ein paar Vorstellungen bzw. ein gewisses Wunschdenken. Nein, ich rede von der Zeit vor der Geburt und während der Wehen und den Wehenpausen.

Jetzt, gute 10 Monate später, kann ich darüber lachen und weiß für das zweite Kind irgendwann, dass absolut nichts planbar ist und Wünsche nicht immer berücksichtigt werden können.


Aber fangen wir doch von vorne an: Ich bin ein mutiger Mensch, der immer wieder Neues ausprobiert und generell nicht ängstlich ist. Vor meiner Schwangerschaft – z.
. als meine Schwester schwanger war – hatte ich panische Angst vor einer Geburt. Als ich dann selbst schwanger war, war diese Angst tatsächlich wie weggeblasen. Je näher die Geburt rückte, desto entspannter wurde ich, wenn auch natürlich aufgeregter vor dem was mich erwarten würde.

Seit der 16. Woche in meiner Schwangerschaft besuchte ich wöchentlich einen Schwangeren-Yoga-Kurs, um etwas vom Alltagsstress „runter“ zu kommen und einen Ausgleich für meinen auch in der Schwangerschaft recht intensiven Sport zu schaffen. Durch diesen Kurs konnte ich einmal die Woche tiefenentspannt abschalten und lernte, meine Atmung besser zu kontrollieren. Unsere Kursleiterin gab uns immer wieder Tipps, wie man die Wehen unter der Geburt wegatmen kann und welche Übungen man in den Wehenpausen machen kann. Ebenso gestaltete sich die Vorsorge auf die Geburt in meinem Geburtsvorbereitungskurs. Hier wurde ich intensiv darin geschult zu aaaatmen… Das klappte hervorragend, auch in den Partnerübungen. Während dieses fünfwöchigen Kurses (zwei Mal waren auch die Partner mit dabei) lernte ich eine große Auswahl an verschiedenen Übungen und Stellungen für die Vorbereitung der Geburt kennen. Ich hatte mir all diese unterschiedlichen Varianten angeschaut und in meinem Kopf brannten sich der Pezziball, die Wanne und der Geburtshocker fest.
Die Hebamme betonte zudem immer wieder, bloß niemals wie „vor 100 Jahren im Liegen“ zu gebären, sondern immer schön aufgerichtet, um die Schwerkraft mitarbeiten zu lassen. Diese Aussage brannte sich folglich in meinen Kopf ein und ich gab meinem Mann im Vorfeld noch einige Tipps und Wünsche weiter, die ich gerne unterstützend von seiner Seite während der Geburt hätte.

In meiner Vorstellung verbrachte ich die Zeit vor der Geburt optimalerweise zu Hause und war ganz entspannt mit meinem Mann auf dem Sofa am Chillen (In der Realität muss man wissen, dass ich ein sehr unternehmungsfreudiger Mensch bin, der stets unterwegs ist und selbst drei Wochen vor der Geburt noch 600km in die Heimat gefahren ist mit Kliniktasche an Board, einfach weil ich meinen kleinen Neffen noch einmal sehen wollte und das, obwohl meine Frauenärztin immer prophezeit, ja gar gedroht hatte, dass meine kleine Noemi sich viel zu früh auf den Weg machen wird). In meinen Gedanken fange ich dort also an, meine Wehen ganz entspannt zu veratmen und backe nebenbei einen Kuchen (so wurde es im Geburtsvorbereitungskurs empfohlen), um die Zeit, die ja soooo lange dauert, bis man dann endlich in die Klinik gehen darf, zu vertreiben…

Naja und dann habe ich eben diese klassischen Vorstellungen von der Zeit im Krankenhaus gehabt: Der Mann und ich fahren gemeinsam in die Klinik, hören dabei unsere Lieblingsmusik, in der Klinik gehen wir gaaaanz lange spazieren, so wie es immer alle beschreiben. Im Kreißsaal hören wir dann auch unsere Playlist, die wir erstellt haben. Zwischendurch reicht mir mein Mann immer wieder Sachen aus meiner bis oben voll gepackten Kliniktasche wie beispielsweise Snacks, Labello, Haarband, Cola, Schoki oder meine dicken Wollsocken von Oma. Zwischendurch sitze ich auf dem Pezziball oder hänge am Tauseil und veramte meine Wehen, natürlich gemeinsam mit meinem Partner, der mich unterstützend hält und mir immer wieder gut zuredet. Ich wollte keine PDA oder Schmerzmittel, hatte mir im Vorfeld aber immer wieder die Option eingeräumt, da ich ja nicht wusste, was für Schmerzen auf mich zukommen werden.


Ich wollte unbedingt eine natürliche Spontangeburt, ein Kaiserschnitt war meine allergrößte und einzige Angst im Vorfeld.

So, das war jetzt die Kurzfassung meiner Vorstellungen. Kommen wir also zur Wahrheit und Realität MEINER Geburt.

Natürlich kam alles ganz anders als oben beschrieben und zwar komplett anders…

Genau eine Woche vor dem errechneten Termin war ich zu einer Kontrolle in der Klinik, da ich mein Baby nicht mehr gespürt habe. Nach langem hin und her wurde am zweiten Tag, den ich zur Beobachtung in der Klinik bleiben musste, zu einer Einleitung geraten aufgrund immer wieder abfallender Herztöne, mangelnder Kindsbewegungen und zu wenig Fruchtwasser. Alle Hebammen, die ich während der ganzen Schichtwechsel kennenlernen durfte, sagten mir, dass es bis zu fünf Tage dauern könne und ich frühestens in drei Tagen etwas spüren würde. Es ging dann 1,5 Tage später bei einem der vielen und regelmäßigen Kontroll-CTGs am Abend los. Mein Mann, der noch nichts zu Abend gegessen hatte und nach diesem Termin direkt zu Burger King fahren und dann zu Hause nach viel Schlafmangel im Vorfeld einfach nur noch ins Bett wollte, war zum Glück bei mir. Denn dann ging es los und zwar Knall auf Fall… Nichts ging da mit „veratmen“ und Wehenpausen?!?! Was bitte ist das?


Ich hatte von jetzt auf gleich zwei sehr kurze Wehenzyklen. Beim ersten hatte ich 2 Minuten Verschnaufspause und beim zweiten gerade mal 40 Sekunden. Ich dachte echt, ich sterbe. Hebamme Ursula, die gerade kurz vorm Schichtwechsel stand, probierte noch spontan das „Indische Schwingen“ an mir aus (Mein Mann nennt es so, ob es wirklich so heißt, habe ich nie hinterfragt): Erst hing ich mit meiner Hüfte auf dem Rücken liegend in einem Tuch, welches sie mit Ihrer Hüfte und Armen sachte schwang und dann sollte dies mein Mann machen. Der Arme… aber er hat es tapfer durchgezogen und mir somit kurzzeitig etwas Entlastung geschaffen.

Dann kam der Schichtwechsel und Schwester Andrea übernahm. Boah, was war diese Frau blöd am Anfang. Die hat mich überhaupt nicht ernst genommen. Kurzzeitig war in an einem mobilen CTG, welches mir ermöglichte auch einmal aufzustehen. Ehrlich gesagt tat ich das nur einmal, um das Seil zu testen (was ich ja uuuunbedingt wollte im Vorfeld). Die Wehen darin waren jedoch so unerträglich, dass ich mich direkt wieder hinlegen musste. Leider hing ich die ganze Zeit am CTG fest, da Noemis Herztöne immer wieder abfielen.

Irgendwann gab die Hebamme mir ein leichtes Schmerzmittel, weil ich echt nicht mehr konnte und sie nur erwiderte: „Der Muttermund ist gerade mal 1cm auf, da passiert heute nichts mehr…“ Ich war zu diesem Zeitpunkt schon völlig erschöpft, hatte kaum noch Kraft und es war gerade mal 0:00 Uhr und die Wehen gingen schon seit vier Stunden so krass. Dann platzte plötzlich die Fruchtblase und auf einmal ging alles ganz schnell. Die Herztöne fielen wohl immer weiter ab und ich musste direkt in den Kreißsaal.

Ab da kann ich mich an vieles nur noch sehr verschwommen erinnern. Was ich jedoch noch ganz genau weiß, ist das von Beginn an mit den zwei diensthabenden Ärzten, die regelmäßig zur Kontrolle kamen, immer wieder das Wort „Kaiserschnitt“ fiel. Ich schrie immer wieder, dass ich das auf keinen Fall wollte und meine Kleine und ich das auch so schaffen und kämpfen werden. Also kämpften wir weiter. Es gab dann doch eine PDA (dem Himmel sei Dank, dass es diese heutzutage gibt, ein Hoch auf die Frauen von vor einigen Jahren, die die Geburt alle ohne ertragen MUSSTEN). Diese PDA gab mir einige Stunden vollkommener Entspannung. Ich spürte echt gar nichts mehr, machte Witze und wollte unbedingt mit meinem Mann reden, der jedoch so müde war und die Pause ausnutzen und schlafen wollte.
Dann fiel uns plötzlich ein, dass wir ja noch eine Kliniktasche in unserem bereits seit drei Tagen bezogenen Krankenhauszimmer hatten, die mein Mann dann endlich holte und mir meine Wollsocken brachte. Juche, wenigstens das hatte ich umsetzen können. Ab dann aß mein Mann all unsere Vorräte an Snacks und Süßem auf, die ich zuvor eingepackt hatte und glaubt mir, das hätte normalerweise für zehn Geburten gereicht, aber der Arme hatte ja kein Abendbrot gehabt.

So, jetzt fasse ich mich mal kurz: Der Muttermund war dann übrigens eine Stunde nachdem die Hebamme mich so doof angemacht hatte auf acht cm und relativ schnell auf zehn cm geöffnet. Die Hebamme wurde plötzlich etwas netter und ich war auch entspannter. Leider sah es mit Noemis Herztönen nicht gut aus und die beiden Ärztinnen kamen im Wechsel und punktierten sie drei Mal (Blut aus dem Kopf abnehmen), um zu schauen, ob ihre Sauerstoffversorgung noch gegeben war. Leider steckte mein Mäuschen dort mehrere Stunden fest und es passierte nichts. Plötzlich hieß es, ich dürfe nun pressen. Dies tat ich auch, allerdings war wieder irgendetwas und ich sollte innehalten und musste so merkwürdig hecheln/schnauben. Das war wirklich sehr unangenehm, da ich ja eigentlich schon dabei war, mein Kind auf die Welt zu bringen. Auf einmal war der Kreißsaal voll mit zwei Hebammen und den zwei Ärztinnen, was ich zu dem Zeitpunkt nur am Rande wahrgenommen habe. Dann plötzlich passierte trotz mehrerer Wehencocktails und hohen Dosen nichts mehr und ich hatte soetwas wie einen „Wehenstopp“. Ich spürte einfach nichts und die Ärzte meinten aber immer wieder, dass ich pressen solle wenn ich es spüre, die Austreibungsphase habe begonnen… Oh Mist, das hatte ich doch geübt in der Theorie beim Vorbereitungskurs. Naja, also presste ich einfach drauf los – ohne Sinn und ohne Wehen. Und dann war da auf einmal die Saugglocke … Ich bekam schon fast gar nichts mehr mit. Endlich kamen die Schmerzen wieder und Noemi steckte gefühlt zwei Stunden da unten fest. Die schwarzen Haare hatten sie schon um vier Uhr gesehen. Um 7.18 Uhr am 21. März 2016 hielt ich dann endlich mein kleines Mädchen im Arm und erlebte den glücklichsten Moment meines Lebens… bis zu dem Moment, als sie mich ordentlich angekackt hat… Ja, so romantisch war das Bonding bei uns und das passierte noch lange bevor ich sie das erste Mal anlegen konnte. Ich war also über und über voll vom schwarzen Kindspech (dem ersten Kot der Babies) und hatte alles zwischen meinen Fingernägeln, auf meinem Bauch, meinen Brüsten, Händen und Armen hängen… In dem Moment war mir das natürlich egal, aber nach zwei Stunden Bonding hat es dann doch gereicht.

Wisst ihr was für mich fast das Schlimmste war: Dass ich im Liegen komplett flach gebären musste. Obwohl ich mehrfach nachgefragt hatte und darum gebeten hatte, etwas aufgerichtet zu werden, hieß es, ich müsse liegen bleiben wegen der Saugglocke. Ob das stimmt, weiß ich bis heute nicht. Aus meiner „Wunschstellung“ mit dem Geburtshocker oder zumindest einer aufgerichteten Position wurde folglich nichts mehr. Ebenso gab es keine Playlist oder überhaupt Musik während der Geburt oder etwas zu essen…Vielleicht ja dann beim zweiten Kind…

Das war also mein Geburtsbericht – mit meinen eigentlichen Vorstellungen und der Realität, wie es tatsächlich abgelaufen ist – in Kurzzusammenfassung und doch ist es so lang geworden.

Ich weiß heute, dass man sich vorab zwar informieren kann und auch in seinem Kopf gewisse Vorstellungen haben kann, dieses Ereignis aber null planbar ist und wäre Noemis Sauerstoffversorgung nicht mehr gegeben gewesen, so hätte auch ich natürlich keinen Kaiserschnitt verwehrt. Dennoch denke ich, dass es sich gelohnt hat, immer vehement zu betonen, dass ich eben diesen nicht möchte.

Meine Geburt und auch die Stunden davor (keine gemütliche Anreise in die Klinik, kein Wehen veratmen zu Hause, sondern direkt vor Ort in der Klinik sein dank Einleitung) waren zwar ganz anders als ich es mir im Vorfeld gedacht hatte, aber sie war trotzdem schön und ich bin froh, eine natürliche Geburt erlebt zu haben, da es mein größter Wunsch war. Ich möchte hiermit niemanden verurteilen, der sich für einen Kaiserschnitt entschieden hat oder gar diejenigen, bei denen ein Kaiserschnitt unabdingbar war.

Mädels, wie immer unsere Geburten gewesen sein mögen: Wir haben Großartiges geleistet und es dann doch irgendwie alle geschafft. Wir können stolz auf uns sein und ich „freue“ mich darauf, das alles hoffentlich noch einmal in ein paar Jahren erleben zu dürfen.

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