Geburtstrauma – mein Kind musste wiederbelebt werden. Ein berührender Geburtsbericht über eine Geburt mit Komplikationen aber mit happy End!

GASTBEITRAG


Geburt – Vorstellung vs. Relität

Die Vorstellung der Geburt unserer Tochter und die Realität lagen weit auseinander. Wer geht auch gleich vom Schlimmsten aus? Klar ist es kein Spaziergang, aber mit so etwas habe ich nie gerechnet. Ich habe nie einen Geburtsbericht bei Instagram geschrieben, weil ich irgendwie nicht wollte, dass jeder weiß was mit meiner Tochter geschah. Mittlerweile habe ich des öfteren doch drüber nachgedacht es zu tun und teile es nun auf Miri´s Blog, denn die Idee mit dem Vergleich von Vorstellung und Realität finde ich wirklich spannend.

Meine größte Angst hatte ich vor einem Dammriss oder Dammschnitt

Ich bereitete meinen Körper wochenlang mit Massagen und Sitzbädern auf die Geburt vor, damit es ja nicht zu so etwas kommt. Ich las sehr viele Geburtsberichte und wählte ein Krankenhaus, bei dem neben der PDA auch Lachgas zum Einsatz kam. Ich malte mir aus, dass es vermutlich nachts los geht, ich noch Zuhause duschen gehen kann und dann bei den 10 Minuten Abständen der Wehen mit meinem Mann ins Krankenhaus fahre. In meiner Kreißsaaltasche hatte ich warme Socken, Snacks für meinen Mann und Lippenpflege. Ein Handtuch für die Wanne war auch dabei, denn die wollte ich unbedingt ausprobieren. Ich dachte mir, dass ich ziemlich zeitnah die PDA verlangen werde und dann ein paar Stunden Wehen veratmen werde und die größten Schmerzen werden erst in der Austreibungsphase auf mich zukommen. Die meisten schrieben von drei heftigen Wehen und dann ist das Baby da, davon ging ich auch bei mir aus.

Das Geburtstrauma begann mit einer Einleitung

Die letzten Wochen der Schwangerschaft beschlich mich das Gefühl, dass ich über den Termin gehen werde und eingeleitet werden muss und so kam es auch. An einem Samstag, acht Tage nach dem ET, stellte ich mich nun um 9:00 Uhr im Kreißsaal vor. Es wurde noch ein Ultraschall gemacht und dann wurde mit der Einleitung begonnen. Das Legen des Tampons tat weh und ich bekam plötzlich Angst und weinte nur noch. Die nächsten Tage bekam ich immer morgens und nachmittags Tampons oder Tabletten gelegt und außer ein ständiges, schmerzhaftes Ziehen spürte ich nichts.  Nach drei Tagen einleiten hatten mein Mann und ich die Schnauze voll und wir wollten einen Kaiserschnitt. Die Oberärztin versprach mir am fünften Tag einen Kaiserschnitt, wenn ich Tag 4 der Einleitung noch mal mitmachen würde. Ich willigte ein.

Vier Tage nach der ersten Einleitung hatte ich Wehen

Nachmittags konnten sie dann meine Fruchtblase sprengen. Gegen 22:00 Uhr war ich dann an Tag 4 der Einleitung mit Wehen im Kreißsaal, im übrigen ohne meine Kreißsaaltasche. Mein Mann schlief bereits im Familienzimmer und ich ließ ihn schlafen, weil er starke Zahnschmerzen hatte. Um 23:15 Uhr war der Muttermund 3 cm geöffnet und ich sollte eine PDA bekommen. Während ich bis Mitternacht auf den Anästhesisten wartete, musste ich mich wegen starker Wehen übergeben. Als die PDA nach mehrmaligen Versuchen saß, konnte ich erstmal entspannen und ein paar Minuten  schlafen.

Ein Wehentropf sollte die Geburt vorantreiben

Gegen 4:00 Uhr war der Muttermund bei 8 cm und ich bekam einen Wehentropf, damit es voran geht. Da ich kein Wasser lassen konnte, bekam ich einen Blasenkatheter gelegt, aber auch da kam nichts. Um halb sechs sollten sie dann meinen Mann wecken, ich hatte keine Lust mehr das alleine durchzustehen. Er war aber bereits auf dem Weg in den Kreißsaal. Im Laufe der Zeit punktierten sie immer wieder den Kopf der Kleinen, setzten den Blasenkatheter erneut und stellten den Wehentropf stärker. Lachgas brachte gar nichts, die PDA hatten sie abgestellt. Dann musste ich mich erneut übergeben. So langsam hatte ich keine Kraft mehr. Dann war ich endlich bei 10 cm und sollte dann pressen, aber ich spürte immer nur 2 kurze Wehen. Die Ärztin meckerte mich an, dass ich mitmachen sollte. Also presste ich noch länger, obwohl die Wehe schon vorbei war. Dann meckerte sie mich wieder an. Sie sagten dann, dass die Hebamme auf meinen Bauch drücken wird bei der nächsten Wehe. Das tat sie dann auch, danach machte es die Ärztin. Dann riefen sie noch einen Arzt, der auch noch auf meinen Bauch sprang. Das war so furchtbar. Doch auch das hat nicht ausgereicht. Ich hab gebeten, dass sie den Wehentropf auf die stärkste Stufe stellen, ich wollte es unbedingt schaffen, aber der Tropf war schon längst auf höchster Stufe.

Nach fünf Tagen folgte der Kaiserschnitt

Es machte keinen Sinn mehr, die Kleine rutschte immer wieder zurück. Um 8:45 Uhr rieten sie mir zum Kaiserschnitt, da die Tortur schon 10 Stunden andauerte. Ich stimmte zu. Sie setzten zum dritten Mal den Blasenkatheter, die PDA wurde nachgespritzt und ich kam in den OP. Mein Mann kam dazu, der Arzt fragte mich, ob ich das Drücken als spitz oder stumpf wahrnehme. Ich sagte spitz, sie sagten irgendwas von acht Minuten und fingen an zu schneiden. Plötzlich hatte ich starke Schmerzen, schrie auf und sie spritzten mir etwas in die Vene. Doch sie schnitten sofort weiter, ich schrie wieder vor Schmerzen und verlangte eine Vollnarkose. Die bekam ich und mein Mann wurde rausgeschickt.

Ich wachte alleine im Kreißsaal auf

Ich wachte gegen 10 Uhr im Kreißsaal auf, niemand war dort. Dann kam die Hebamme und sagte irgendwas von Anfangsschwierigkeiten und mein Baby sei auf der Intensivstation. Ich weinte wie noch nie zuvor in meinem Leben und ich fror wie noch nie zuvor. Ich fühlte mich so einsam ohne mein Baby. Mein Mann kam hinzu und er sagte, dass sie beatmet werden musste, aber das es ihr sonst gut geht und wie hübsch sie ist. Später erfuhr ich erst die ganze Wahrheit. Sie musste wiederbelebt werden! Die Hebamme ist mit meinem leblosen Baby an meinem Mann vorbei gelaufen, im Nebenzimmer des OPs wartete eine Kinderärztin, die sie 15 Sekunden lang wiederbeleben musste! Der Chefarzt kam hinzu, wurde wieder weggeschickt und sagte zu meinem Mann, dass das ein gutes Zeichen sei.

Mein Baby musste wiederbelebt werden!

Fünf Stunden nach dem Kaiserschnitt durfte ich dann endlich zu meinem Baby. Aber ihr ging es nicht gut. Sie hatte starke Schmerzen durch das Wiederbeleben und durch das Drücken auf meinen Bauch. Sie ist nämlich mit dem Kopf immer wieder gegen mein Becken gestoßen als sie auf meinen Bauch sprangen! Sie hatte Kopfschmerzen, Brustschmerzen und weinte nur, wenn die Schwestern sie hochnahmen. Also durfte ich ihr nur die Hand streicheln! Sie weinte in ihrem Wärmebettchen, aber ich durfte sie nicht hochnehmen. Wie das weh tut, kann man nicht in Worte fassen. Ich habe gehofft, dass sie nach 1-2 Tagen auf meine Station kommen würde, aber aufgrund einer B Streptokokken Infektion musste sie acht Tage auf der Intensivstation bleiben.

Diese Geburt hat mich und mein Kind traumatisiert

Beim zweiten Kind werde ich direkt einen Kaiserschnitt machen lassen. Ich habe noch heute daran zu knabbern, aber egal wie schlimm es sein kann im Kreißsaal oder im OP, das Wichtigste ist, dass das Baby lebt! Im Nachhinein habe ich erfahren, dass mein Kreislauf während der Vollnarkose zusammen gebrochen ist und dadurch die Kleine unterversorgt war und ihr Herz aufhörte zu schlagen. Ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen und bin den Kinderärzten sehr dankbar. Den Ärzten im OP und im Kreißsaal mache ich die schlimmsten Vorwürfe. Mein Kind könnte tot sein! Die sehen mich nie wieder.

Beim nächsten Mal höre ich auf mein Bauchgefühl

Wären sie meinem Wunsch nach dem Kaiserschnitt am vierten Tag nachgekommen, wäre wahrscheinlich alles problemlos verlaufen. Instinktiv weiß eine Mutter immer, was das Beste für ihr Kind ist. Lasst euch nie etwas anderes sagen! Hört auf euren Bauch!


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