Die Sache mit dem Kinderwunsch. Ich bin schwanger. Und ich weiß nicht wie ich die richtigen Worte finden kann für die Dinge, die ich heute sagen möchte. Denn in den letzten Monaten hat sich meine Sichtweise auf viele Dinge geändert. Vor allem aber auf die Sache mit dem Kinderwunsch. Daher fällt es mir irgendwie auch nicht leicht diese freudige Nachricht mit euch zu teilen.

 


Kinderwunschzeit

Gedanken mache ich mir viel und gerne.

Keine Kinderwunschzeit beim ersten Kind

Bei meiner Tochter machte ich mir kaum Gedanken darüber ob es klappen könnte oder nicht. Wir beschlossen es zu versuchen und es klappte tatsächlich beim ersten Mal. Daraufhin erzählte ich anderen Leuten immer ganz fröhlich, dass es sofort geklappt hatte und wusste damals natürlich nicht was ich damit bei Frauen auslöste, die diese Erfahrung nicht machen durften. Damals wusste ich es einfach nicht besser. Und ja, man kann sich auch nicht ständig über andere Menschen Gedanken machen. Es liegt aber in meiner Natur dies zu tun – also mache ich mir auch heute Gedanken.

 

 

 

 

Das zweite Kind will nicht klappen

Wie in meinem Artikel „will ich wirklich (jetzt) noch ein Kind“ schon geschrieben, wollte ich immer mindestens zwei Kinder. Und dies wenn möglich mit geringem Altersabstand. Was ich in diesem Artikel nicht erwähnte war die Tatsache, dass ich seit Monaten aktiv versuchte schwanger zu werden. Zu groß war die Angst meinen Kinderwunsch öffentlich zu machen. Wer von meinem Kinderwunsch wusste, der hat diesen Artikel ganz anders gelesen als die Menschen, die nicht davon wussten. Denn ich habe damals nach Erklärungen gesucht und mich beim Schreiben der Zeilen gefragt ob ich denn wirklich einen (Herzens-) Kinderwunsch hatte oder ob es nur meine elende Planerei war, die mich so sehr nach einem zweiten Kind sehnen ließ. Als ich den Artikel fertig gestellt hatte wurde mir eines klar: einen Kinderwunsch fühlt man. Und wenn man leidet weil es nicht klappt, dann ist es ein Herzenswunsch. Und das Herz wünscht nicht nach Plan.

 

Ein Kinderwunsch nimmt das komplette Leben ein

Wenn man als Paar beschließt ein Kind zu bekommen, dann nimmt dieser Wunsch plötzlich sehr viel Raum im Alltag ein. Die ersten Monate vielleicht noch nicht so sehr, wobei keine Frau in dieser Zeit gerne ihre Periode begrüßt. Mit jedem Monat mehr wird der Kinderwunsch zu einem blauen Nilpferd, welches mit im Wohnzimmer sitzt. So war es zumindest bei mir. Ich fragte mich, was wohl mit mir nicht stimmte. Warum mein Körper, der doch beim ersten Kind sofort schwanger wurde, sich plötzlich weigerte. Warum nun plötzlich die Frage im Raum stand ob ich überhaupt einen Eisprung hätte und wenn doch, dass die Voraussetzungen in meiner Gebärmutter nicht ideal wären um dann wirklich schwanger zu werden. Auch wenn acht Monate Kinderwunschzeit für manch einen nicht lang klingen mag – es ist die Ungewissheit, die einem Angst macht. Denn hätte man mir gesagt, dass ich „nur“ acht Monate warten muss bis ich schwanger werde, dann hätte ich diese Zeit bei bester Laune verbracht und die Zeit bis zu Schwangerschaft noch genossen.

 

8 Monate Kinderwunsch sind nicht lang – aber lange genug

In dieser Zeit habe ich einen Geschmack davon bekommen wie es sich anfühlt auf etwas zu warten, was man sich sehnlichst wünscht. Ich weiß von der Hoffnung während der fruchtbaren Tage und der Enttäuschung wenn die Periode eintritt. Ich weiß von den Zweifeln und der Angst, dass man dieses Wunder vielleicht gar nicht (mehr) erleben darf. Ich weiß wie es sich anfühlt, ein paar Tage vor NMT, einen leicht positiven Test in der Hand zu halten, sich zu freuen und kurz darauf doch den roten Drachen zu Besuch zu haben. Ich weiß mittlerweile wie man Schwangerschaftstests auseinanderbaut, in der Hoffnung doch noch einen leichten Strich sehen zu können. Ich weiß wie es ist Hoffnung zu haben, im Restaurant zu sitzen und plötzlich etwas warmes zwischen den Beinen zu spüren. Ich kenne das Gefühl wie ferngesteuert zur Toilette zu gehen, die Hose hinunter zu ziehen und plötzlich so viel Blut zu sehen, dass einem sofort klar ist, dass die Hoffnung hiermit (mal wieder) begraben ist. Ich habe gelernt still zu leiden, denn als Mama eines Kleinkindes hat man nicht die Zeit zu trauern. Acht Monate waren genug um einen Hauch davon mitzubekommen wie sich Frauen fühlen, die diese Tortur über Jahre mitmachen müssen. Und so hat sich meine Sicht auf bestimmte Dinge geändert.

 

Ich saß oft am Meer und habe nachgedacht. Über mich und das Leben.

Ich bin durch den Kinderwunsch sensibler geworden

Jetzt, ein paar Monate später, kommt mir mein Leiden in der Kinderwunschzeit fast lächerlich vor und ich schäme mich schon fast hier darüber zu schreiben –  weil acht Monate (für manche) eben nicht lang sind. Andererseits ist dies wieder mein Problem mit dem „was andere über mich denken“. Eigentlich darf sich niemand das Recht herausnehmen über das Leid anderer zu urteilen oder dieses auf einer Skala à la „ist doch gar nicht schlimm bis oh wie schrecklich“ zu bewerten. Das ist eine blöde menschliche Angewohnheit und ja, leider hatte ich sie auch oft. Und weil ich das nicht mehr wollte, habe ich mich in dieser Zeit viel mit mir selbst auseinandergesetzt. Habe hinterfragt warum ich so fühle und was die Gründe für den unerfüllten Kinderwunsch sein könnten. Letzten Endes wird mir das niemand beantworten können – denn unsere Körper sind keine Maschinen. Und alles im Leben ist ein Zusammenspiel aus Psyche, Körper und dem ungewissen Etwas, das unser Leben lenkt. Ich bin mittlerweile fast schon dankbar, für die vergangen Monate. Ich habe mich besser kennengelernt und ein viel besseres Verständnis für andere entwickelt. Ich bin dadurch gewachsen.

 

Warum ich niemanden von meinem Kinderwunsch erzählt habe

Ich habe einige Leuten von meinem Kinderwunsch erzählt. Als erstes einer guten Bekannten, deren Sohn sechs Wochen älter als meine Tochter ist. Wir unterhielten uns und meinten beide, dass wir bereit für Kind Nummer 2 wären. Das war im Oktober 2016. Sie schrieb mir kurz darauf, dass es sofort geklappt hätte und sie nun schwanger sei. Ich freute mich riesig und war überzeugt davon, dass auch ich ihr bald von einem positiven Test erzählen würde. Anfangs fragte sie noch monatlich nach und schickte mir regelmäßig Updates ihrer Schwangerschaft. Irgendwann wurde es komisch. Sie hatte wohl Angst mich zu verletzen und ich wusste auch nicht recht wie ich mit der Situation umgehen sollte. Wenn man hautnah miterlebt wie eine Freundin schwanger ist, der Bauch wächst und die Zeit verstreicht, so kommt einem der eigene Kinderwunsch noch tragischer vor. Dazu kommt, dass es einfach komisch wird zwischen schwangeren Frauen und Frauen mit Kinderwunsch. Nicht weil man als Frau mit Kinderwunsch den anderen nichts gönnt, nein. Man leidet. Und die Schwangeren wollen Rücksicht nehmen. Und schwups, wird es komisch für beide Seiten.

 

Ich log lieber anstatt ehrlich zu sein

Jede weitere Schwangerschaftsverkündung tat weh. Wenn dabei noch die Worte vorkamen, dass es doch „schneller als gedacht“ geklappt hat und es beim zweiten Kind wohl schneller ginge, war das nochmal wie ein Schlag ins Gesicht. Ich überspielte meine Traurigkeit indem ich offiziell sagte, dass ich mir ein zweites Kind aktuell noch gar nicht vorstellen könnte. So wog ich mich in Sicherheit. Denn weitere Nachfragen „ob es denn nun endlich geklappt hätte“, wollte ich nicht mehr hören. Ich wollte aber auch nicht (mehr) in Selbstmitleid versinken und so begann ich alle Ovulationstests wegzuschmeißen und löschte sämtliche Apps von meinem Handy, welche etwas mit Eisprungberechnung oder Schwangerschaft zu tun hatten. Ich zählte alle Argumente für einen großen Altersabend auf und sogar einige für ein Einzelkind. Ich las Bücher, die mich in meine Kindheit reisen ließen und wollte nicht mehr über meinen Kinderwunsch sprechen – geschweige denn darüber nachdenken. Ich hatte mich monatelang so damit genervt, dass ich mehr oder weniger Ruhe vor mir selbst haben wollte. Ich schrieb den Text zu „will ich wirklich noch ein Kind?“, veröffentlichte ihn und legte all meine Gedanken zum Thema Kinderwunsch ab.

 

Kinderwunschzeit

der erste positive Test am 23.06.2017

Und dann wurde ich schwanger

Ich konnte es gar nicht recht glauben als ich den positiven Test in der Hand hatte. Dieses Mal machte ich in nicht vor NMT sondern einen Tag danach. Und 2 Tage danach. Und als der Test auch eine Woche nach NMT positiv war und ich bei keinem Gang zur Toilette Blut in der Unterhose finden konnte, konnte ich es langsam glauben. Ich war schwanger. Ich weiß nicht warum es dann plötzlich geklappt hatte. Es würde jetzt nur Mutmaßungen sein (die Einnahme von Progesteron war es nicht, das habe ich nach zwei Monaten abgesetzt). Dennoch war diese Schwangerschaft für mich plötzlich so magisch, dass ich sie schützen wollte. Schützen vor der Öffentlichkeit. Daher auch der Entschluss länger mit der Verkündung zu warten.

 

 

Nicht jeder wird diesen Text verstehen

Und das ist absolut okay. Die Frauen, die keine Kinderwunschzeit hatten, werden diese Gefühle nie nachempfinden können. Und die Frauen, die viele Jahre auf ihr Wunder warten mussten, in Kinderwunschkliniken müssen oder vielleicht immer noch warten, die werden acht Monate als lächerlich empfinden. Und das ist absolut in Ordnung. Dennoch steht es uns nicht zu das Leid eines anderen zu bewerten. Ich glaube, dass es keinen Unterschied macht ob man acht Monate oder acht Jahre wartet. Wenn man einmal diese Angst empfunden hat, dann weiß man wie es sich anfühlt. Man weiß, dass das blaue Nilpferd im Wohnzimmer immer größer wird. Man weiß, dass es auch eine Beziehung belasten kann und einem definitiv Lebensqualität raubt. Jeder Mensch ist anders und geht damit auf verschiedene Weise um. Jeder Mensch resigniert auch irgendwann und leidet still mit dem Grashalm an Hoffnung in der Hand. Und diese Menschen verstehe ich nun ein Stück besser.

 


 

Fakten   |   Fakten   |   Fakten

Entbindungstermin: 01.03.2018 (nach deutscher Berechnung) | 04.03.2018 (nach französischer Berechnung)
Eigene Einschätzung: es wird ein Februarbaby. Meine Tochter hatte ebenfalls den 01.03.2016 als ET und kam 2 Wochen früher.

Aktuelle SSW: 16+4 (5. Monat)

Gewichtszunahme: bisher 2,5 kg (bei meiner Tochter hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts zugenommen)

Bauchumfang: 72 cm (Start: 69 cm)

Befinden: nachdem ich die ersten Wochen unter starker Übelkeit, Müdigkeit und Kreißlaufproblemem gelitten habe geht es mir mittlerweile ziemlich gut. Leider neige ich, wie in der ersten Schwangerschaft, wieder zu vorzeitigen Wehen und habe auch jetzt schon ein paar Kontraktionen. Allerdings wirken sich diese nicht auf Gebärmutterhals oder Muttermund aus und ich muss mich, außer einen Gang runterzuschalten, nicht viel einschränken.