Auf dem Spielplatz teilen? Dieses Thema bewegt momentan mal wieder einmal die (Online-) Welt. Eine Mutter berichtete auf Facebook, dass ihr Sohn auf dem Spielplatz von anderen Kindern regelrecht bedrängt wurde weil diese seine Spielfigur haben wollten. Er wollte diese Figur aber nicht teilen und so ermutigte sie ihn „Nein“ zu sagen. Genau deshalb bekam sie böse Kommentare von anderen Müttern. Auch unter ihrem Post scheiden sich die Geister zu diesem Thema.

Muss mein Kind auf dem Spielplatz teilen?

Viele Eltern glauben, dass es von guter Erziehung zeugt, wenn ihr Kind freiwillig sein Spielzeug mit anderen Kindern teilt. Schließlich ist das Teilen an sich eine tolle Sache. Wenn ein Erwachsener gerne teilt gilt er als großzügig und guter Mensch. Allerdings wären wir hiermit wieder schnell an dem Punkt, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Kinder sind Kinder. Und sie empfinden die Welt ganz anders als wir. Ihnen ist es egal was andere über sie denken. Sie wollen die Welt entdecken und ihre Bedürfnisse stillen. Und wenn sie nicht teilen wollen, dann sollten sie das auch nicht müssen.

Wir haben falsche Ansichten

im Bezug auf das Teilen unter Kindern

Wir sollten als Eltern einmal nachdenken und die Situation auf dem Spielplatz anders betrachten. Was wäre wenn wir ein neues Handy bekommen haben, es stolz einem Freund zeigen wollen und plötzlich reißt dieser uns das Handy aus der Hand und rennt weg. Ein ähnliches Beispiel wäre bei einem Besuch im Freibad. Wir legen unser Badetuch auf die Wiese, gehen schwimmen und wenn wir wieder an unseren Platz zurückkommen sehen wir, wie eine andere Person auf unserem Handtuch sitzt und in unserer Tasche wühlt. Die Person will uns nichts böses, sondern war einfach nur neugierig was wir da so in unserer Tasche haben. Weil wir nicht da waren hat sie halt einfach mal geschaut. Wie würden wir uns wohl spontan verhalten? Würden wir den Personen unser Handy und den Inhalt unserer Tasche inklusive dem Sitzplatz auf unserem Handtuch überlassen? Ich glaube niemand von uns wäre hellauf begeistert und würde seine Habseligkeiten wieder zurückfordern.

Kampf auf dem Spielplatz

Wenn wir unsere Gedanken im Bezug auf das Teilen von Eigentum etwas ändern, dann können wir unsere und andere Kinder vielleicht besser verstehen. Wer mit seinem Kind auf den Spielplatz geht, der weiß, dass es früher oder später zu Konfliktsituationen mit anderen Kindern kommen wird. Das Lieblingsspielzeug Zuhause zu lassen ist aber auch keine Lösung – denn gerade der Spielplatz und die Interaktion mit anderen Kindern lehrt Kinder sehr viel. Wenn unser Kind sein Spielzeug nicht teilen will, dann darf es „nein“ sagen und sein Spielzeug auch gerne verteidigen. Es lernt, seinen Besitz zu verteidigen. Es lernt aber auch, dass sich andere Kinder darüber freuen wenn es sein Spielzeug mit ihnen teilt. Und, dass das Spielzeug (meistens) auch freiwillig zurückgegeben wird. Oftmals ist es ja so, dass Kinder nach ein paar Minuten das Interesse an einem bestimmten Spielzeug verlieren und dies dann gerne wieder zurückgeben (oder eben liegen lassen). All das lernen Kinder im Spiel ganz alleine. Es sei denn natürlich, die Eltern mischen sich nicht ein.

 

Spielplatz teilen

Unser Lieblingsspielplatz | Auf dem Spielplatz teilen?

Eltern sollten sich nicht einmischen

Ob es nun darum geht das eigene Spielzeug zu verteidigen oder das Spielzeug eines anderen Kindes zu „klauen“ – Kinder können das (meistens) ganz gut unter sich regeln. Natürlich findet dieser „Kampf“ um das Spielzeug oftmals unter lautem Geschrei statt und endet nicht selten mit einem weinenden Kind, das zu seinen Eltern rennt und um Hilfe bittet. „Mama, Mama! Der Kevin hat mir mein Spielzeug weggenommen – bitte hilf mir“ könnte ein Satz lauten. Nun gibt es zwei Arten von Mamas. Die einen rennen zu Kevin, entreißen ihm das Spielzeug und sagen ganz böse, dass dieses Spielzeug ihrem Kind gehört. Alternativ steuern sie Kevins Mutter an und fordern diese dazu auf ihrem Sohn zu ermahnen und das Spielzeug zurückzugeben. Nachdem das Spielzeug zurückgegeben wurde, kann man wieder durchatmen. Zumindest bis Kevin, oder ein anderer potenzieller Spielzeugdieb wieder im Anmarsch ist.
Die andere „Sorte“ von Mamas, zu der ich mich übrigens zähle, tröstet ihr Kind und fordert es dazu auf, sich das Spielzeug selbst wieder zu holen – oder einfach einen Moment abzuwarten bis Kevin die Lust daran verliert. Natürlich ist dies für unser Kind erst einmal frustrierender weil Mama ihm in diesem Moment nicht aktiv hilft. Auf Dauer gesehen, ist dieses Verhalten der Mama aber weitaus besser als das aktive Regeln „seiner“ Angelegenheiten.

*Ist meine Tochter nicht in der Lage meine Worte zu verstehen oder kann es seine Angelegenheiten (noch) nicht komplett alleine regeln, gehe ich gemeinsam mit ihr zu dem Kind, welches unser Spielzeug geklaut hat und mache ihm höflich und freundlich klar, dass wir unser Spielzeug gerne wieder zurück hätten. So helfe ich ihr und lebe ihr gleichzeitig vor wie sie es in Zukunft selbst lösen könnte. Vielleicht traut sie sich dann kurz darauf schon alleine ihr Spielzeug einfordern (Danke für diesen Denkanstoß an 2KindChaos – ihr Artikel zu diesem Thema ist unten verlinkt!)

Wir fürchten die Meinung der anderen Eltern

Genauso verhält es sich übrigens wenn unser Kind der Spielzeugdieb ist (mir passiert dies tatsächlich öfters – denn meine Tochter ist da sehr forsch). Oftmals ist dies ja die unangenehmere Situation weil wir fürchten, dass die anderen Eltern denken könnten, wir hätten unser Kind nicht unter Kontrolle oder schlecht erzogen. Deshalb neigen wir oft dazu uns in die Situationen einzumischen, in denen wir bemerken, dass unser Kind gerade dabei ist ein anderes Kind zu „beklauen“. Wir schreiten dann ein, nehmen unserem Kind das Spielzeug weg und geben es an „Kevin“ zurück. Viel eher sollten wir Kevin ermutigen sich sein Spielzeug wieder zu holen. Oder vielleicht den Eltern von Kevin sagen, dass sie ihren Sohn ruhig ermutigen dürfen. Meistens sind es aber genau die Eltern von Kevin die wir fürchten. Meistens tun wir das aber nicht, denn wer will anderen Eltern schon sagen was sie zu tun haben?

Eltern dürfen die Angelegenheit ihrer Kinder nicht regeln

Wenn wir als Eltern ständig die Angelegenheiten unserer Kinder regeln tun wir ihnen langfristig keinen Gefallen. Irgendwann gewöhnen sich Kinder nämlich daran, dass sie nur zu ihren Eltern rennen müssen und diese sich dann für sie einsetzen. Die Laune des Kindes wird davon abhängig sein in welchem Maß sich seine Eltern für es einsetzen. Wenn wir unserem Kind einreden, dass es alles mit anderen Kindern teilen muss sagen wir ihm gleichzeitig, dass es auch alles von anderen Kindern haben kann. Das heißt, wie lehren ihm, dass es alles haben kann was es sieht – ohne auf die Gefühle der anderen Kindern zu achten. Dadurch verhindern wir, dass es ein Gefühl für Toleranz entwickelt und außerdem verhindern wir damit auch irgendwie seine freie Entfaltung.

Als Mutter bin ich

für die emotionalen Bedürfnisse meines Kindes zuständig

Das ich meinem Kind auf dem Spielplatz nicht sage was es zu tun hat oder ihm nicht helfe wenn es beklaut wird, heißt nicht, dass ich nicht für mein Kind da bin. Im Gegenteil. Ich tue etwas viel Wichtigeres. Ich bin für die direkten Bedürfnisse meines Kindes da. Ist es verängstigt, weil ein anderes Kind aktiv sein Spielzeug einfordert, stärke ich es indem ich sage, dass es nicht teilen muss wenn es das nicht will. Wurde das Spielzeug dann doch weggenommen und mein Kind ist darüber traurig oder wütend, tröste ich es und sage ihm, dass es sich sein Spielzeug ruhig wieder holen darf – oder (wenn es will) einfach etwas warten und in der Zwischenzeit mit einem anderen Spielzeug spielen kann. Wenn mein Kind einem anderen Kind etwas wegnimmt und dieses dann in Tränen aufgelöst ist, sage ich, dass dieses Spielzeug dem anderen Kind gehört und dieses nun sehr traurig ist. Wegnehmen tue ich meinem Kind das Spielzeug allerdings nicht. Viel eher ermutige ich das bestohlene Kind dazu sich sein Spielzeug wieder zurückzuholen oder gebe ihm ein Spielzeug meines Kindes dafür. Ganz oft mische ich mich aber auch garnicht ein sondern beobachte die Situation nur.

Oft sind es die Eltern, die den Stress machen

Die Erfahrung der letzten Monate hat mir gesagt, dass der Kampf um das Spielzeug meist nur eine kurzweilige Angelegenheit ist und es viel öfter die Eltern sind, die die Situation dramatisieren.Wie wäre es also damit, dass wir aus der aktiven Verteidigungsrolle herausgehen und in die passive wechseln? Das heißt nicht, dass wir unser Kind auf dem Spielplatz alleine lassen. Wir begleiten es weiterhin, stehen ihm zur Seite aber lassen es seine Angelegenheiten selbst regeln. Natürlich trifft das nicht zu wenn ein anderer Kind unserem Kind gegenüber aggressiv wird und es schlägt. Ebenfalls dürfen wir eingreifen wenn unser Kind ein anderes Kind schlägt (wobei ich mich nun auch Frage ob das dann so richtig ist – zumindest bei kleinen Rangeleien. Ich werde zu diesem Thema einmal recherchieren!). Im Bezug auf das Teilen von Spielsachen sollte wir einfach lockerer werden! Unsere Kinder müssen nichts teilen und bekommen auch nicht alles von anderen Kindern. Und was andere Eltern über uns, unsere Kinder oder unseren „Erziehungserfolg“ denken sollte uns grundsätzlich egal sein.

Müssen eure Kinder auf dem Spielplatz teilen?

Lasst es mich doch wissen indem ihr mir ein Kommentar hier, auf Facebook oder Instagram hinterlasst.

Wie seht ihr das? Möchtet ihr eurem Kind beibringen zu teilen weil ihr euch vielleicht einer bestimmten Erziehungsmethode angeschlossen habt oder mischt ihr euch auf dem Spielplatz auch nur in Notfällen ein?

 

 


 

Inspiriert diesen Artikel zu schreiben hat mich folgender Beitrag:

Mein Sohn muss nicht mit anderen teilen!

 

Weitere lesenswerte Artikel zu diesem Thema:

1. WARUM MEIN SOHN NICHT ALLES AUF DEM SPIELPLATZ TEILEN MUSS UND ANDERE SANDKASTEN-REGELN (StadtLandMama.de)

2. Warum meine Tochter ihr Spielzeug nicht teilen muss (Huffington Post)

3. Ab wann können Kinder teilen? Und wie können sie es lernen? (Kinderleute.de)

4. Kinder sollen ihre Konflikte selber regeln? Was aber, wenn sie nicht können? (2KindChaos)

5. Kinder dürfen teilen – müssen aber nicht (Mamaz.de)