20 Monate Altersunterschied – nicht immer leicht, aber doch wunderschön!

 

GASTBEITRAG von Valentina

 


 

Kleiner, großer Bruder
Ich darf mich Mama von zwei Jungs nennen. Zwei wirklich tollen Jungs.
Zwanzig Monate war unser L. als E. zur Welt kam.
Zum ersten Satz möchte ich noch gerne das Wort „müde“ hinzufügen.

Der Start mit meinem ersten Sohn war schwer

Mein erstes Kind L. war lange „mein kleines Baby“. Eben weil die erste Zeit mit ihm so schwierig war, haben wir eine besondere Verbindung. Mein L. war als Baby stets unzufrieden, wollte viel beschäftigt werden, man konnte kaum mit ihm irgendwo hingehen. Meine romantischen Szenen von einer Familie wurden, wenn ich ehrlich bin, schnell in Realität umgewandelt. Darf man das sagen, dass das eigene Kind sehr „undankbar“ war? Die perfekten Mütter dürfen sich an dieser Stelle gerne aufregen.

Wir wollten bewusst einen kleinen Altersunterschied

Mein Mann und ich wollten schon immer einen kurzen Abstand bei den Kindern. Wir haben auch das Gefühl gehabt, dass es dem L. sehr gut tun würde ein Geschwisterchen zu bekommen. Da wir ja schon ein Kind hatten, wussten wir wie wunderschön es ist Leben zu schenken und freuten uns noch mehr. Wir dachten „Fangen wir mal früh an, beim ersten hat es auch lange gedauert“

Keine Kinderwunschzeit beim zweiten Kind

Volltreffer! Wir freuten uns einfach riesig, dass es diesmal keine enttäuschten, negativen Schwangerschaftstests geben wird und obwohl viele annahmen, die zweite Schwangerschaft sei ungeplant gewesen, nein, wir wollten das so. Das Leben lässt sich sowieso nicht genau planen!

Schwanger mit Kleinkind – keine Zeit zum entspannen!

Jeder sagte es wird schwer am Anfang und ja, es war wirklich wahnsinnig anstrengend, viel anstrengender als man sich es jemals hätte vorstellen können. Vielleicht war es einfach nur anstrengend, weil der Erste sich so schwierig verhalten hatte. Dies war schon vor meiner zweiten Schwangerschaft so und das Alter spielt sicherlich auch eine Rolle. In der Schwangerschaft habe ich mir manchmal einfach nur ein paar ruhige Stunden gewünscht, aber der Große hielt mich ordentlich auf Trab. Es war nicht nur anstrengend, es war auch unglaublich toll. Es gab oft Küsschen und Streicheleinheiten für den Bauchbewohner, obwohl L. zu klein war, um das richtig zu verstehen. Als der kleine E. zur Welt kam, nahm L. ihn direkt in unsere Familie auf, als hätte der kleine Bruder schon immer zu uns gehört. Viel schöner als in meiner Vorstellung!

Zwei unter zwei – alles andere als immer harmonisch

Wer von einer utopischen, harmonischen ersten Zeit träumt, sollte besser nicht weiter lesen. Denn meine Geschichte ist wirklich ehrlich. Vielleicht läuft es bei anderen auch super märchenhaft. Oder es ist einfach nur ein Märchen, wenn sie das erzählen.

Ich jedenfalls, habe anfangs an vielem gezweifelt, ob ich eine gute Mama bin, ob ich allem gerecht werde, ob ich die alleinige Zeit mit dem Ersten ihm zuliebe nicht hätte intensiver gestalten sollen. Sowieso mache ich mir immer zu viele Gedanken.

Ich kannte das so gar nicht von mir. Bis jetzt habe ich alle Aufgaben in meinem Leben mit links gemeistert. Doch das Zwei-fach-Mutter-Sein zeigte mir, dass ich trotz einer super Organisation an manchen Tagen dennoch nichts im Griff habe.

An vielen Tagen rannte ich mit Tränen in den Augen stillend durch die Gegend um den Großen davon abzuhalten, noch mehr Unsinn zu treiben. Manchmal kam ich mir vor als befände ich mich in einem Hamsterrad aus Stillen – Schimpfen – Wickeln – Aufräumen usw.

Ständig möchte jemand etwas. Und ich kann für meinen Teil sagen, dass ich sehr wohl beiden gerecht wurde – dabei habe ich mich selbst komplett aus den Augen verloren. Aber ich bin mir sicher, diese Zeit kommt auch wieder zurück.

Es war teilweise so anstrengend: nach mehrmaligem Stillen nachts war der Kleine um 4:30 Uhr morgens wach und als er gegen 7:30 Uhr wieder müde war, wurde der Große wach. Und so ging das hin und her. Obwohl ich keinen Kaffee trinke, gab es Tage an denen ich zwangsweise 2-3 Tassen trank, um den Tag zu überstehen. Nein, ich korrigiere, um den Tag zu ÜBERLEBEN. Aber ist es nicht so, dass die intensivste Zeit auch oft die Schönste ist?

War die Entscheidung für einen 20 Monate Altersunterschied richtig?

Es gab Momente, da fragte ich weinend meinen Mann: „War das alles so richtig wie wir entscheiden haben?“ und er nahm mich in den Arm und sagte „Ja. Es wird leichter, lass den kleinen E. mal ein Jahr alt werden.“ Er sollte Recht behalten. Kaum wurde der Kleine ein Jahr, wurde vieles leichter: die beiden fingen an schön und lange miteinander zu spielen, zu baden, Küsschen werden verteilt. Natürlich wird sich auch gegenseitig geärgert, aber das gehört zu Geschwistern dazu.

Ich habe oft Schuldgefühle gegenüber meines Erstgeborenen

Der Kleine macht unser Leben einfach perfekt. Er ist die Ruhe selbst, stets zufrieden und ruhig. Ich frage mich an manchen Tagen ob unser erster Sohn dadurch viel zu schnell „groß“ werden musste. Ob wir manchmal unbewusst zu viel von ihm verlangen, weil er jetzt der große Bruder ist. Bis dahin war ER immer unser Kleiner – und jetzt ist er auf einmal „groß“? Hätten wir ihn anders behandelt, wäre er noch ein Einzelkind? Hat er nicht länger die alleinige Aufmerksamkeit verdient? Hätte ich nicht mehr mit ihm unternehmen können, wäre ich damals nicht hochschwanger gewesen? Mich plagten Schuldgefühle für die Zeit wo ich Übelkeit hatte, niedergeschlagen war, und ich nicht mit ihm spielen konnte.

Manchmal bräuchte ich eine Pause vom Mamasein

Oft hinterfrage ich mich ob ich eine gute Mama bin und ob ich das alles so richtig mache. Manch-mal liegen die Nerven einfach blank und an solchen Tagen würde ich mich am liebsten (alleine!!) ins Auto setzen und weit weit wegfahren – für ein paar Stunden zumindest. Bei zwei so kleinen Rabauken muss man ständig und überall funktionieren. Dann gibt es Tage, wo alles wunderbar ist. Wahrscheinlich hat man solche Gedanken auch bei „nur“ einem Kind.

Es ist oft schwer beiden Kindern gerecht zu werden

Als Mama versuche ich immer fair zu sein. Lobe ich den Kleinen für die ersten eigenen Schritte, sage ich „Hat dir dein großer Bruder gezeigt wie man toll läuft.“ So, dass der Große indirekt mitkriegt, er sei auch etwas Besonderes und er wird auch gelobt. Zieht der Kleine mal an den Haaren vom Großen (weil er das noch nicht verstehen kann), „schimpfe“ ich auch mit ihm, damit der Große sich nicht benachteiligt fühlt. Es sind die Kleinigkeiten, mit denen ich versuche, dass keine Eifersucht aufkommt oder dass sich irgendjemand weniger geliebt fühlt.

Mal ist der Kleine, mal der Große mit gewissen Aktivitäten zuerst dran. Der Große darf natürlich auch ein Obstgläschen essen, wenn er das beim kleinen Bruder sieht und möchte. Klein E. ist mittlerweile 14 Monate alt und bekommt abends eine Milchflasche. Plötzlich verlangte Groß L. auch nach einer Babyflasche mit Milch drin – bekommt er. Er wird so viel als Baby behandelt, wie er das verlangt. Denn schließlich ist es mit seinen bald drei Jahren auch noch ein sehr kleines Kind.

Exklusive Zeit mit Mama ist wichtig

An einem Nachmittag in der Woche mache ich nur was mit dem Großen, wir gehen oft Eis essen und anschließend zum Spielplatz – eben exklusive Mama-Sohn-Zeit. Seit ich nicht mehr stille, bringe ich den Großen ins Bett und mein Mann den Kleinen. So hat er auch nur seine Mama-Zeiten. Ebenso hat der Kleine auch ein Recht auf die Mama ganz alleine. Es kann ja nicht das ganze Leben lang so gehen, dass man das Gefühlt hat dem Großen gegenüber etwas zu „schulden“.

Der große Bruder hilft dem Kleinen

Groß L. mag es sehr gerne Aufgaben zu bekommen, er darf mir die Windeln und Feuchttücher bringen, ab und zu hilft er den Popo seines kleinen Bruders sauber zu machen. Er ist unglaublich stolz darauf, denn er hat das Gefühl gebraucht zu werden und etwas gut zu können. Dies mag für manchen lächerlich erscheinen, aber für ihn ist es von großer Bedeutung. Als der Zweite noch ganz klein war, durfte sein großer Bruder ihm den Schnuller bringen, die verlorenen Socken suchen und wieder anziehen, den Kinderwagen mit schieben. Er wird in alles integriert. Diese Kleinigkeiten sind es, die den Großen in seinem Selbstbewusstsein wachsen lassen. Und er übernimmt diese Aufgaben gerne, schließlich ist er ja jetzt der große Bruder.

Ich will eine gute Mutter sein

Vielleicht hört sich das für manch einen übertrieben an, aber ich mache mir wirklich viele Gedanken, denn diesen Job MAMA nehme ich ernst und will ihn verdammt gut machen.
Wenn ich sehe, wie viel meine beiden Jungs lachen, dass sie glückliche und unbeschwerte Kinder sind, die die elterliche Liebe und Sicherheit spüren, dann denke ich mir: Irgendwas scheint hier mächtig richtig zu laufen.

Ich bereue den 20 Monate Altersunterschied nicht

Ich werde alles dafür tun, dass die beiden beste Kumpels werden und immer füreinander da sind. Auch wenn die erste Zeit für uns nervenaufreibend war, bin ich felsenfest davon überzeugt, dass selbst wenn unser erster Sohn nun Aufmerksamkeit, Zeit und Eltern „teilen muss“, er viel mehr dazu gewonnen hat: einen Spielkameraden jetzt und einen Verbündeten fürs Leben! Ich würde nichts anders machen – für mich gibt es nichts Schöneres als die beiden zusammen zu sehen. Es ist nicht immer leicht mit einem so geringen Altersabstand, aber wenn man so viel Liebe zu geben hat, warum sollte man nicht ein neues Leben schenken? Manche Entscheidungen darf man ruhig seinem Herzen überlassen. Wie sagt man so schön? „Liebe wird nicht weniger, wenn man sie teilt.

 

20 Monate Altersunterschied

Die Brüder mit nur 20 Monaten Altersunterschied

 


Hast du dich auch ganz bewusst für einen kurzen Altersunterschied entschieden und willst darüber erzählen? Vielleicht hast du auch den ein oder anderen Tipp für andere Mamas, die Zwei und Zwei haben (werden)? Dann würde ich mich sehr freuen wenn du mir eine Email schreibst: [email protected]